Juli 2026

The making of „forum:transformieren“ ©

Von Ruth Seliger

Das forum:transformieren ist der waghalsige Versuch, mit systemischen Instrumenten in gesellschaftliche Transformationsprozesse einzugreifen. Es ist ein Kommunikations-Gefäß, in dem engagierte Menschen Anregung, Struktur und Energie für ihre eigene Wirksamkeit gewinnen und neue Verbindungen und Kooperationen eingehen können.

Das forum:transformieren ist ein Kommunikations-Format für die Gestaltung eines gesellschaftspolitischen Diskurses und strategischen Entscheidens.

Das Format forum:transformieren ist nicht neu: ich habe es in vielen Veränderungsprozessen von Organisationen eingesetzt, immer wieder modifiziert und weiterentwickelt. Es war und ist eine Methode der Intervention, wenn es um Change & Management in Bezug auf Strategien, Strukturen, Führung oder Kultur geht. Diese Gestaltung von Kommunikations-Prozessen, Themen und Zusammensetzung von Teilnehmer:innen hat immer gute Wirksamkeit gehabt, neue Perspektiven eröffnet und neue Energie gebracht.

Das forum:transformieren ist eine Intervention in gesellschaftliche Veränderungsprozesse, es ist inhaltlich immer eingerahmt durch Fragen der Demokratie, Ökonomie und Demokratie und ausgerichtet an Prinzipien von Menschenrechten und demokratischen Formen der Partizipation.

Wer das forum:transformieren erlebt, kann den Eindruck gewinnen, dass es einfach sein muss, in diesem Format zu arbeiten. Vieles ist bei Berater:innen und auch Führungspersonen bekannt und wäre nachvollziehbar und einfach zu kopieren. Aber bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass das forum:transformieren auf einer ganzen Reihe von Voraussetzungen beruht:

Systemisches Denken

Das forum:transformieren steht auf der Basis systemischen Denkens, und das bedeutet, es setzt

  • ein systemtheoretisches Verständnis von „Gesellschaft“ als komplexes Kommunikationssystem,
  • ein konstruktivistisches Konzept von Kommunikation,
  • ein systemtheoretisch-dialektisches Konzept von „Transformation“
  • ein Bild von Veränderungsprozessen als Veränderung von individuellen und kollektiven Wirklichkeitskonstruktionen („Landkarten“) von Menschen, die sich daran beteiligen

voraus.

Methodische Grundlagen

Das forum:transformieren beruht auf Erfahrung mit Methoden, die sich bei der Gestaltung von Transformations-Prozessen in Organisationen bewährt haben. Hier werden sie im Rahmen von gesellschaftlichen Transformationsprozessen eingesetzt:

  • Großgruppen-Methoden:
    Ob Zukunftskonferenzen nach Sandra Janoff und Marvin R. Weisbord, Real Time Strategic Change Konferenzen nach Dannemiller Tyson, Open Space Konferenzen nach Harrison Owen – sie alle haben 3 Gemeinsamkeiten:
    • Neues entsteht durch neue Settings von Kommunikation, in denen Menschen in neuen Zusammensetzungen an neuen Themen arbeiten können.
    • Kommunikation braucht klare und strikte Regeln, um „frei“ zu sein.
    • Veränderung ist auf die Zukunft fokussiert – heute nicht selbstverständlich.
  • Appreciative Inquiry
    nach Diana Whitney und David Cooperrider:
    Die Methode ist ein radikal auf das Erkennen und Nutzen von Ressourcen, Stärken und Potenzialen gerichtetes Verfahren. Es ist als Kommunikationsprozess gestaltet, der von persönlichen Interviews zu zweit bis hin zu großen AI-Summits reicht.
  • Action Learning:
    Das Konzept nach Argyrs & Schön ist zunächst als Methode für „Learning Organizations“ entwickelt worden. Organisationale Lernprozesse werden als Selbst-Erforschung der Organisation durch ihre eigenen Mitglieder gestaltet.
    Das Konzept von Action Learning geht davon aus, dass nachhaltige und für Organisationen produktive Lernprozesse dann gelingen, wenn
    • Wissen nicht (nur) von Spezialisten „vermittelt“, sondern durch gemeinsames Forschen aufgebaut wird,
    • Lernen praxisrelevant anhand von konkreten Projekten und Aufgaben erfolgt und
    • die Lernprozesse selbst Thema von Reflexion und Lernen werden („Double Loop Learning“).
  • Instrumente systemischer Intervention:
    Die Praxisfelder systemischen Denkens – Therapie, Beratung, Change & Management – haben eine Reihe von Instrumenten der Interventionen hervorgebracht, die im Rahmen des forum:transformieren eingesetzt werden, allen voran systemische Fragetechnik: Fragen steuern die Aufmerksamkeit und lösen Suchprozesse aus. Der Prozess eines forum:transformieren kann auch als gemeinsamer Suchprozess nach konkreten Möglichkeiten der aktiven Beteiligung an gesellschaftlichen Transformations-Prozessen beschrieben werden.
  • Der „Kompass für Transformieren“©
    ist eine Weiterentwicklung der „Change-Formel“ nach Dannemiller Tyson. Der Kompass ist ein Strukturierungs-Instrument für das Denken und Handeln in großen Veränderungen.
    Auf den ersten Blick wirkt das Instrument einfach und klar. Bedenkt man den theoretischen und methodischen Unterbau, dann wird schnell klar, dass es so einfach nicht ist, wie die vier Themen, die bearbeitet werden: der Driver, die Vision, die Ressourcen und die First Steps.
    Ohne den theoretischen und konzeptionellen Untergrund wird die Wirksamkeit der Methode nicht groß sein.
    Der Kompass kann in sehr kleinen Situationen, etwa Auftragsklärungen in der Beratung, in Workshops bis hin zu großen Konferenzen und Treffen von Initiativen angewendet werden.

Anwendungsfelder

Das forum:transformieren ist ein Kommunikations-Kontext, in dem es vor allem um die Entwicklung von Handlungsstrategien und die Erhöhung von Wirksamkeit geht. Am forum:transformieren nehmen Personen teil, um in ihren unterschiedlichen Rollen und Funktionen für ihre unterschiedlichen Ziele in unterschiedlichen Kontexten neue Impulse und Handlungsoptionen zu gewinnen:

  • individuell, um für eigene Vorhaben
  • Vertreter:innen von Organisationen, die sich an gesellschaftlicher Transformation beteiligen, etwa NGO’s
  • Berater:innen, die Organisationen bei deren Engagement für gesellschaftliche Transformations-Prozesse unterstützen und begleiten
  • Repräsentant:innen von gesellschaftlichen Institutionen, die gesellschaftspolitische Transformation politisch oder administrativ steuern

Das forum:transformieren hat bis jetzt dreimal stattgefunden und war für die teilnehmenden Personen eine Bereicherung und ein großer Erfolg.

Diese Erfahrungen ermutigen mich, das Konzept weiter zu entwickeln, in neuen Kooperationen und in neuen Kontexten weiter zu denken.

Informationen über weitere Aktivitäten werden bald auf der Website, im Newsletter oder auch in Social Media veröffentlicht!

Bleiben Sie neugierig! Seien Sie zuversichtlich!

Das war das 3. forum:transformieren

Der Prozess:

© Sinnbilder, Robert und Joanna Six, www.sinnbilder.wien