Feber 2026

Change-Kommunikation

Von Ruth Seliger

Kommunizieren kann jeder. Schließlich tun wir das ständig.

Kommunikation ist unser Lebenselixier: in unserem Leben sind wir immer, von Anfang an, auf andere Menschen angewiesen und müssen immer mit ihnen in Verbindung stehen, kommunizieren. Durch Kommunikation bilden wir Paare und Familien, Gemeinschaften, Organisationen, unsere Gesellschaft. Wir müssen uns darauf verlassen, dass Kommunikation stattfindet und müssen darauf vertrauen können, dass wir in die Kommunikation eingebunden sind. Sonst sind wir draußen.

Wir sind uns nicht immer dessen bewusst, wie komplex Kommunikation ist: wir müssen sie auf unsere Anliegen, auf unser Gegenüber, die konkrete Situation, die eigenen Möglichkeiten, vorhandene Medien, den Kontext usw. anpassen. Das macht Kommunikation zu einer Kunst, die man aber erlernen kann und muss.

Worum geht es bei Change und bei Transformation?

Change oder Transformation beschreiben nicht kleine Veränderungen an der Oberfläche, sondern die tiefgreifende Umgestaltung von Formen, Gewohnheiten, Prinzipien, Verläufen und Beteiligten.

Change- und Transformationsprozesse beginnen, wenn entweder etwas Neues entsteht (Innovation) oder wenn bemerkt wird, dass in einem System etwas nicht funktioniert, Gewohnheiten, Muster und Traditionen dysfunktional geworden sind, wenn Ziele nicht erreicht werden und Pannen und Fehler sich häufen.

Veränderungen sind immer ein Sprung von etwas Vertrauten ins Ungewisse. Sie sind ein Balanceakt zwischen etwas, das ist und etwas, das noch nicht ist. Um den Sprung zu wagen und die Balance zu wahren, braucht man Kraft.

Veränderung braucht eine Kommunikationsstrategie

Veränderungen verlaufen nicht geradlinig, sondern in Schleifen, Zirkeln, Aufs und Abs, nach vor und zurück. Sie sind selten nur auf einen einzelnen Aspekt gerichtet, sondern komplex durch unplanbare Wechselwirkungen aufeinander bezogen. Sich darin zurechtzufinden, kostet Kraft.

Strategie ist eine Möglichkeit, Komplexität zu reduzieren und damit Energie nicht nur nicht zu verlieren, sondern sie zu bündeln und auf ein Ziel auszurichten und zu mehren.

Veränderungen brauchen nicht nur eine Strategie, sondern – in Change-Prozessen von Organisationen und in gesellschaftlichen Transformationen – Menschen, die die Veränderungen tragen, sie treiben, sich beteiligen. Hier braucht es eine bestimmte Kommunikation: Change-Kommunikation. Gelingt es, die Kommunikation so zu gestalten, dass Menschen für die Veränderung gewonnen werden können und ihre Energie mobilisiert wird, können Transformationen im Sinn der strategischen Richtung wirksam gestaltet werden.

Der Kompass für Transformieren – ein wirksames Kommunikationsinstrument

Der Kompass für Transformieren ist ein Kommunikations-Instrument, das verwendet werden kann, um komplexe Veränderungsprozesse zu strukturieren und wie jeder Kompass Orientierung zu geben.

Der Kompass für Transformieren ist ein Tausendsassa, mit dem man vieles gleichzeitig bewirken kann:

  • Energie mobilisieren, denn wir Menschen mögen meistens nicht aus unserer Ruhe gebracht werden. Wir müssen uns selbst in Bewegung bringen und andere bewegen.
  • Orientierung geben: was soll sich in welche Richtung verändern. Denn ohne Orientierung irren wir umher, das kostet Kraft.
  • Zuversicht geben, damit wir dranbleiben, unsere Energie spüren und gut einsetzen können.
  • Den Sprung ins Neue wagen, zumindest die ersten Schritte gehen. Dafür brauchen wir einen Plan, eine Strategie.

So sieht der Kompass aus

An der Oberfläche ist der Kompass so gestaltet, wie jeder andere Kompas auch: eine Scheibe, auf deren Oberfläche ein Zeiger sich bewegt. Als Markierungen gibt es statt der Himmelsrichtungen vier Fragen:

  1. Warum muss sich etwas verändern: was ist das Problem und das Ziel der Veränderung?
  2. Wohin soll uns der Veränderungsprozess führen? In welche Richtung wollen wir uns bewegen?
  3. Womit können wir den Weg gehen? Was steht uns zur Verfügung, auf welche unserer Stärken können wir bauen?
  4. Was sind unsere ersten Schritte? Was werden als nächstes tun?

Hinter dem Kompass für Transformieren stecken Systemtheorie, Konstruktivismus, Kybernetik und Theorie der Emotionen. Das habe ich in der Tiefe in meinem Buch „Systemische Beratung der Gesellschaft. Strategie für die Transformation“ beschrieben. [1] 

Wann und wie kann man den Kompass für Transformieren anwenden?

So einfach der Kompass und seine Fragen auf den ersten Blick aussehen – ganz so trivial ist seine Anwendung nicht.

Hier einige Anwendungsfelder:

  • Change-Management und Organisationsentwicklung in Organisationen: auch große Prozesse können mit dem Kompass strukturiert werden. Als Berater:in oder Führung gibt der Kompass eine Hilfestellung für die Themen, die angesprochen werden sollen.
  • Auftragsklärungen für Berater:innen können in kompakter Form gestaltet werden.
  • Gesellschaftliche Transformations-Projekte und ihre Betreiber – Organisationen, Initiativen – können dabei unterstützt werden, sich wirkungsvoller zu organisieren.
  • Werbung und Kampagne zur Gewinnung von Menschen für die Beteiligung an gesellschaftlichen Transformations-Aktivitäten.
  • Reflexion laufender Prozesse: welche Frage haben wir vergessen, zu bearbeiten?

Wie bei allen Methoden muss auch hier im Vorfeld der Kontext geklärt werden: um welches System geht es, wer ist verantwortlich, wer soll einbezogen werden, welche Ressourcen stehen zur Verfügung, wer hat welche Ziele?

Wenn Sie sich intensiver mit der Methode beschäftigen und sie auch konkret erleben wollen, dafür hier drei aktuelle Möglichkeiten:

Virtueller Salon – Intensiv Webinar am 18. Mai 2026
Change-Kommunikation
Anmeldung direkt bei NetzwerkOK

forum:transformieren 10.-12. Juni 2026
Zukunft::weiblich?
Anmeldung unter office@seliger-consulting.net

Lehrgang „Der Kompass für Transformieren“, Start: 5. Oktober 2026, 2 Module à 3 Tage
Der Kompass für Transformieren
Anmeldung unter office@seliger-consulting.net

[1] Erschienen bei Carl Auer System Verlag, Heidelberg 2022.

(c) Titelbild Robert Six www.sinnbilder.wien